ZIELE


CONVERSATION – CONSERVATION.
Workshop »Ephemeral Arts«, Casino Luxembourg,
Luxembourg 2000

Nicht alle Katzen sind schwarz.

Die Vermittlung künstlerischer Arbeit ist eine Gratwanderung. Wenn auch die Blicke tief und mögliche Stürze ebenso, eine Gratwanderung ist spannend, bietet Ausblick und Luft zum Atmen; sie verändert die persönliche Perspektive und bereichert den Horizont. Aber es bedarf auch der Achtsamkeit und verlangt persönliches Können.

Ziel meiner künstlerischen Arbeit mit Menschen ist die Vermittlung eines freien Zugangs zu Kreativität und gestalterischer Entwicklung. Der Schwerpunkt liegt nicht in der Lehre von grundlegenden Fähigkeiten, wie z. B. ein Stift zu halten ist, um eine gerade Linie ziehen zu können. Das sind Nebenprodukte. Durch den geleiteten und dennoch freien Zugang und Umgang mit Werkzeug und Materialität steht die Auseinandersetzung mit gestalterischem Wissen und Gespür im Vordergrund. Ein zentrales Anliegen ist, Vertrauen in den Wert der eigenen Idee zu stärken.

Wie bei jedem Weg, so haben auch Gratwanderungen einen Ausgangspunkt und ein Ziel: Man möchte ankommen – in der Kunst entspricht das Ankommen nicht selten dem Wunsch nach einem sichtbaren Ergebnis. Manchmal sind auf diesem Weg herausfordernde Passagen zu überwinden oder Umwege notwendig: Es bedarf einer teilweisen oder der konstanten Begleitung und Unterstützung von der Ideenfindung bis hin zur Realisierung. Doch wer will schon dauernd an der Hand gehen: Kunst bedarf der Freiheit – einer Freiheit für die eigenen Entscheidungen und die eigenen Schritte sowie einer Freiheit für den Umgang mit Material und Werkzeug. Der Grat wird dann sicherlich zunehmend ausgesetzt und es braucht Mut: Mut, um Platz zu lassen, und Mut, um sich vorzuwagen. Der Lohn der Mühe zeigt sich in der Lebendigkeit und der Authentizität der Ergebnisse: Nicht alle Katzen werden schwarz!

Viele von uns gründen ihre Haltung gegenüber künstlerischem Tun auf die (aktuellen oder zurück liegenden) schulischen Erfahrungen. Die Erinnerung an die Bewertung von Idee und deren Umsetzung bestimmt unser Wertgefühl. Der Gedanke daran während der Suche nach der »richtigen« Farbe und Form – deren Ergebnis sich durchaus unterscheiden kann von den für eine Lehrkraft gültigen Ergebnissen und deswegen nicht besser oder schlechter ist – hindert nicht selten das Vertrauen in die eigene Ausdrucksform.

Künstlerisches Arbeiten und Tun basiert zum großen Teil auf der Suche nach eigenen Zusammenhängen, einer »anderen« Sprache für Dinge, der Wiedergabe von Erlebnissen und Eindrücken, der Darstellung einer Meinung und Haltung – und zwar anders, als dies mit Worten möglich ist. Werden Bilder dafür gefunden, folgt der nächste Schritt: Das Geschaffene will präsentiert werden. In einer Weise, dass es unser Gegenüber, unsere Mitwelt sehen und verstehen kann: Kunst dreht sich um die menschliche Notwendigkeit der Kommunikation. Ziel sollte dabei sein, eine Kommunikation ohne Wertung zu erreichen. Fragen, Meinungen, Eindrücke zu entwickeln, um Lösungen und Wege zu finden für einen nachhaltigen Umgang mit Ausdruck und Kreativität.

Dies anzubieten und weiterzugeben, damit beschäftigt sich KunstARBEIT.

Karin Bergdolt, Sommer 2008